Herausforderungen des 21. Jahrhunderts

Profil-Interview: 3 Fragen an Octavie Modert

  • Wie sieht es mit dem Fortgang der Reform im öffentlichen Dienst aus?


Es handelt sich hier ohne jeden Zweifel um eine wichtige Reform. Eine Strukturreform, ein Modernisierungsvorhaben, das die Strukturen des öffentlichen Dienst effizienter gestaltet und ins 21. Jahrhundert führt. Auch die öffentlichen Verwaltungen müssen sich heutzutage Zielsetzungen festlegen. Auch im öffentlichen Dienst brauchen wir heute eine neue Vorgehensweise, eine Methode des Miteinanderumgehens, der Mitarbeitergespräche und des Dialoges. Arbeitsabläufe strukturieren bringt mehr Effizienz. Effizienz macht den Staat billiger.
Deshalb ist es von großer Bedeutung, dass wir diese neue und große Reform durchziehen.
Zurzeit führen wir noch die letzten Gespräche mit den CGFP-Unterorganisationen. Wir hoffen, dass das Parlament unsere Texte dann vor Ende des Jahres zur Abstimmung bringt.
Ich möchte noch darauf hinweisen, dass der öffentliche Dienst sich bewusst war, dass unser Land aktuell in einer finanziellen Krise steckt und deshalb auch eingewilligt hat, seinen Teil, sogar einen großen Teil, zur Bewältigung der Krise beizutragen. Die CGFP hat sich also bereit erklärt, die Gehälteraufbesserungen zu verlegen und trotzdem einzelne Elemente der Strukturreform sofort, also vor dem Gehälterabkommen in Kraft treten zu lassen.


  • Kultur ist ein Standortvorteil sagte Premier Juncker im „Etat de la Nation“. Warum ist es wichtig, Kultur noch stärker in den Vordergrund zu rücken?

 


Kultur ist die Seele eines Volkes. Seine Seele muss man pflegen. Sie ermöglicht uns eine Ausstrahlung über die Grenzen hinaus. Deshalb ist Kultur wesentlich für unser Image und trägt zur Verbesserung der Darstellung und des Verstehens unseres Landes im Ausland bei. Sie ist Teil der Attraktivität eines Landes und Anzugsfaktor für Investitionen. 
Über Kultur können wir uns anders darstellen und unserem Land ein anderes Image geben als das eines Finanzplatzes, der ja oftmals – die letzten Tage haben es wieder gezeigt – negativ dargestellt wird.
Über Kultur kann ein Land beweisen, dass es innovativ ist: Kultur ist Kreativität. Ein Land ohne Kultur und ohne Künstler kann keine Zukunftsvisionen entwickeln, denn Kulturpolitik ist auch Gesellschaftspolitik. Kreativität muss im gleichen Atemzug mit Forschung und Innovation genannt werden. Offen, modern und zukunftsorientiert, das ist das Bild eines Landes, das Investoren anzieht und das ein positives Image im Ausland hat.
Kultur fördert also ganz klar die Attraktivität des Standortes Luxemburg; denn kreatives Denken bringt intelligente Lösungen.

  • Wie sieht es denn mit der administrativen Vereinfachung aus?

 


Man hat den Eindruck, dass das Thema der administrativen Vereinfachung gerne benutzt wird um die Regierung zu schelten. Dabei ist der Wunsch eines gut und schnell funktionierenden Staates nicht nur ein sehr wichtiges Anliegen, sondern auch eines, das eine kontinuierliche Herangehensweise im Alltag verlangt. Es reicht daher nicht, einige Vorzeigeprojekte ins Fenster zu stellen und zu glauben, damit sei alles erledigt. Entscheidend ist, dass wir uns alle immer wieder überlegen, wie man Prozeduren und administrative Prozesse schlanker und straffer, einfacher und nachvollziehbarer gestalten kann.
Trotz Anstrengungen, die bislang von Regierungsseite gemacht wurden, wird sich an einschlägigen Stellen darüber beklagt, dass eigentlich nichts gemacht werde. Da uns diese Klagen aber nicht direkt mitgeteilt oder gar uns Lösungsvorschläge unterbreitet werden, haben wir uns jetzt dafür entschieden, Foren zu organisieren, um zu versuchen gemeinsam mit allen Betroffenen verbleibende Probleme auszuloten und Lösungen zu erarbeiten.
Eins ist klar: Verwaltungsvereinfachung verlangt die Bereitschaft zum kontinuierlichen Überdenken.