Die politische Aufgabe besteht nicht darin, sich zwischen Verteidigung und Wohnungsbau zu entscheiden. Sie besteht darin, beide Politikfelder klug miteinander zu verbinden, betont der Gastautor.
Von Alex Donnersbach
Kaum ein politisches Thema wird derzeit so emotional diskutiert wie die angekündigte Erhöhung der Verteidigungsausgaben. Seit sich die NATO-Mitgliedstaaten darauf verständigt haben, ihre Investitionen in die Sicherheit deutlich zu erhöhen, wird in Luxemburg immer häufiger eine Frage gestellt: Können wir uns gleichzeitig noch eine ambitionierte Wohnungsbaupolitik leisten?
Diese Frage klingt auf den ersten Blick berechtigt. Tatsächlich führt sie jedoch in die Irre. Denn sie suggeriert einen Gegensatz, den es so nicht gibt. Es geht nicht um Verteidigung oder Wohnungsbau. Es geht um Verteidigung und Wohnungsbau.
Frieden und Freiheit sind keine Selbstverständlichkeit
Die russische Invasion in der Ukraine hat Europa auf schmerzhafte Weise vor Augen geführt, dass Frieden und Freiheit keine Selbstverständlichkeit sind. Über Jahrzehnte haben viele europäische Staaten ihre Verteidigungsfähigkeit vernachlässigt und sich darauf verlassen, dass andere – allen voran die Vereinigten Staaten – im Ernstfall für unsere Sicherheit sorgen würden. Diese Gewissheiten gehören jedoch der Vergangenheit an.
Deshalb übernimmt Europa heute mehr Verantwortung. Auch Luxemburg leistet seinen Beitrag. Das ist keine Frage des politischen Geschmacks, sondern eine Frage der staatlichen Verantwortung. Denn die äußere Sicherheit gehört zu den ureigensten Hoheitsaufgaben eines Staates. Nur wer für seine eigene Verteidigung Verantwortung übernimmt, bewahrt seine Freiheit und Selbstbestimmung. Niemand sonst kann Landesverteidigung organisieren oder finanzieren. Es gibt keine privaten Investoren, keine Gemeinden und keine gemeinnützigen Einrichtungen, die diese Aufgabe übernehmen könnten. Wenn der Staat hier nicht handelt, handelt niemand.
Genau darin liegt ein entscheidender Unterschied zur Wohnungspolitik.