Die Energiekrise ist nicht vorbei. Sie verändert nur ihre Schauplätze.
Nur wenige Jahre nach den massiven Verwerfungen auf den Energiemärkten infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine steht Europa vor einer ernsten Lage. Der Konflikt im Nahen Osten und die Spannungen rund um den Iran zeigen erneut, wie verletzlich unsere Energieversorgung noch immer ist. Sobald Transportwege, Förderanlagen, Raffinerien oder Pipelines unsicher werden, reagieren die Märkte. Die Preise steigen. Am Ende spüren das Betriebe, Familien und Pendler.
Die Straße von Hormus macht diese Verwundbarkeit besonders sichtbar. Durch diese Meerenge zwischen Iran und der Arabischen Halbinsel läuft ein erheblicher Teil des weltweiten Öl- und Flüssiggasverkehrs. Laut amerikanischer Energy Information Administration wurden dort 2024 täglich rund 20 Millionen Barrel Öl und Erdölprodukte transportiert.
Das entspricht etwa einem Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs, mehr als einem Viertel des seeseitigen Ölhandels und rund einem Fünftel des globalen Flüssiggas-Handels. Wenn diese Meerenge unsicher wird, wird Energie weltweit teurer.
Für Luxemburg ist das keine ferne geopolitische Randnotiz. Unser Land hat keine eigenen fossilen Rohstoffe, ist stark auf Importe angewiesen und eng mit seinen Nachbarn verflochten. Die Energiewende ist deshalb nicht mehr nur ein Projekt des Klimaschutzes. Sie ist eine Frage der Versorgungssicherheit, der wirtschaftlichen Stabilität und der sozialen Gerechtigkeit.
Zerstörte Infrastruktur bringt Langzeitfolgen
Auf die globalen Energiepreise werden sich Angriffe auf Raffinerien, Öl- und Gasinfrastrukturen, Pipelines und Lagerstätten langfristig auswirken. Wenn solche Anlagen ausfallen, lassen sie sich nicht innerhalb weniger Tage ersetzen. Die vollständige Wiederinbetriebnahme der Anlagen kann laut Experten Monate bis Jahre dauern. Gerade für eine offene Volkswirtschaft wie Luxemburg wirken Energiepreise in Produktion, Transport, Landwirtschaft, Handwerk, Handel und Haushalte hinein.