Leitartikel Transport Nr 11, von Georges Bach, Syprolux Präsidenten
Sich zum aktuellen Zeitpunkt an dieser Stelle ein weiteres Mal mit dem Dossier Reform der Arbeitsbedingungen bei der CFL zu beschäftigen ist notwendig, fällt allerdings nicht leicht. Die Problematik ist hinlänglich bekannt und die Entwicklung dermaßen rasant, dass beim Erscheinen dieser Ausgabe des “Transport” ein konkret beschriebener Stand der Verhandlungen bereits der Vergangenheit angehören könnte. Und doch bin ich der Meinung, dass ein so eminent wichtiges Thema erneut angesprochen werden muss.
Nach der sturen Haltung der CFL- Generaldirektion und dem daraus resultierenden Scheitern der Verhandlungen in der Commission paritaire wurden die unterschiedlichen Standpunkte von Transportminister Lux analysiert mit dem Ziel dennoch eine Einigung herbeizuführen. Neben dem Dossier Arbeitsbedingungen wurde am 21. Mai ebenfalls über Neueinstellungen diskutiert. Wie von uns immer wieder aufgeworfen, verschlechtern sich nämlich die Arbeitsbedingungen (auch die aktuellen) für die CFL- Beschäftigten über die letzten Jahrzehnte mit großer Regelmäßigkeit, aufgrund von bestehendem Personalmangel.
Zufriedenstellend in diesem Zusammenhang, dass sowohl die CFL- Generaldirektion als auch die Verantwortlichen der CFL Cargo ihre Einwilligung gaben, in Zukunft eine etwas weitsichtigere Einstellungspolitik zu tätigen. Eine klare Zusage hinsichtlich von termingerechten Neueinstellungen gab es bereits für die Jahre 2007 – 2009.
Konkretes im Dossier Arbeitsbedingungen gab es dann in der Verhandlungsrunde vom 23. Mai. Nach mehrstündigen Verhandlungen konnte unter der Leitung von Transportminister Lucien Lux ein Positionspapier erstellt werden. Diese Vorschläge zeigen zumindest in eine für uns als Gewerkschaften annehmbare Richtung, wenn auch noch nicht alle Einzelheiten geklärt sind und somit keine Entwarnung gegeben werden kann.
Anhand einer Abmachung sollen zwischen den Sozialpartnern Regelungen für das “ortsfeste Personal” getroffen werden, die im wesentlichen bestehende Dienstpläne ermöglichen würden. Über diesen Weg könnten z.B. die aktuellen Bestimmungen bezüglich der Ruhetage wie sie im Statut verankert sind, eingehalten werden.
Für das “rollende Personal” bleiben wir nach wie vor recht skeptisch. Die Tragweite der Arbeitsbedingungen der Beschäftigten ist nämlich enorm. Unseres Erachtens beeinträchtigten die ursprünglichen Vorschläge der Generaldirektion nicht nur die Lebensqualität der Beschäftigten, sondern ebenfalls in erheblichem Masse die Sicherheit des Bahnbetriebs. Ausdehnung der ununterbrochenen Fahrzeiten, Kürzung der täglichen Ruhezeiten, Schichtbeginn in den “tödlichen” Stunden, d.h. zwischen 23.00 und 3.00 Uhr, Ausdehnung der Anzahl der Nachtschichten sind nur einige Punkte die für uns als Gewerkschaften unannehmbar sind.
Zum ministeriellen Positionspapier haben wir nach Konsultierung mit unseren Delegierten zusammen mit dem Landesverband ein Schreiben an den Transportminister gerichtet. Am 6. Juni wird es zu einer weiteren Verhandlungsrunde kommen, wo weitere Einzelheiten zu klären bleiben.
Die kommenden Tage werden von entscheidender Bedeutung sein. Kommt es zu einer Annahme des ministeriellen Kompromiss-Papiers oder treiben wir unverzüglich in einen Konflikt sowohl mit der CFL- Obrigkeit als auch mit der Regierung. Bekanntlich will Transportminister Lux die Vorschläge noch Ende dieses Monats dem Regierungsrat vorlegen und anschließend über den Weg eines großherzoglichen Reglements in Kraft setzen.
Als SYPROLUX wissen wir die Tragweite dieser Situation abzuschätzen. Unsere Delegierten sind bereit, wie sie in der Vergangenheit des Öfteren bewiesen haben, Verantwortung zu tragen. Die Verhandlungsdelegation hat über Monate hinweg in unzähligen Gesprächen, Zusammenkünften und zähen Verhandlungen versucht wesentliche Sicherheitselemente und eine soziale Komponente in den aktuellen Arbeitsbedingungen einzubringen, resp. zu wahren. Ob dies zufriedenstellend ist und das vorliegende Resultat angenommen wird, werden die Delegierten am 14. Juni entscheiden.
Leitartikel Transport N° 11